Spielende Kinder Afrika

Heidi aus Ägypten – oder wie ich plötzlich zur begehrten Frau wurde

Gedanken zu Bezness

In der Schweiz bin ich unsichtbar

Kein Mann interessiert sich auch nur annähernd für mich. Jeder starrt auf sein Handy, Sichtkontakt gibts kaum. Und wenn, dann ernte ich nur verachtende Blicke. Zum Flirten müssen die Männer fast gezwungen werden. Die kühlen CH-Männer sind wählerisch und interessieren sich hauptsächlich für makellose Mädels, ansonsten haben sie kein Bock, sich mit einem abzugeben. Das kann für Damen zum Frust-Problem werden, die nicht ganz dem gängigen Schönheitsideal entsprechen.

Aber wer braucht schon Schweizer Männer, denkt sich die Globetrotterin. Irgendwo da draussen gibts meinen Scheich Khalid, Jamie Fraser, oder kann ich gar zur Weissen Massai werden? Die Sehnsucht nach fernen Abenteuern ist irgendwo tief verwurzelt.

Die Lust aufs Abenteuer

Aber was passiert, wenn diese Frauen auf Reisen gehen? In den Maghreb, in die Dominikanische Republik, Kenia? In vielen Ländern ist es einfacher, in Kontakt mit Menschen zu treten als in der Schweiz. Vor allem als Frau wird man rasch angesprochen, es tun sich Chancen auf, die man zuhause so nie hätte. Ich bin mir sicher, dass viele weibliche Reisende irgendwann in Situationen geraten, wo sie entscheiden müssen, wie weit soll der spontane Flirt mit einem Mann gehen? Habe ich ein gutes Gefühl dabei? Und wie komme ich da wieder raus? Oder blockt man gleich beim ersten „hallo“ ab?

Ich liebe Marokko und Ägypten. Die uralte Kultur, die Baudenkmäler, das Orient-Flair. Hier ist man Prinzessin, die schönste Frau der Welt und wird mit grossen Augen angestarrt. Das Ego wird gepämpert. An jeder Ecke wird man angesprochen. Du hast schöne Augen, wow – deine Haare – klasse! Ich finde deine kleine Narbe toll, sie passt zu deinem Gesicht (!). Nein, diese Herren sind wahrlich nicht wählerisch. Oder sind westliche Frauen einfach immer so leicht mit solchen Sprüchen rumzukriegen?

Ich sehe aus wie eine Südländerin, bin aber mental 100% Schweizerin. Das verwirrt die arabischen Männer. Deswegen bekam ich auf meiner Ägypten-Reise rasch den Übernahmen „Heidi aus Ägypten“ verpasst und erntete dabei fragende aber bewundernde Blicke. Währenddessen wurden die Blondinen uncharmant als „Claudia“ (Schiffer) tituliert.

Der Traum vom Prinz von Arabien

Welche Frau träumt nicht von einem heissblütigen, arabischen Mann, der rund um die Uhr Komplimente verteilt? Wenn sich zuhause in 30 Jahren höchstens 2 Männer für dich interessiert haben? Und dann ist man plötzlich Pretty Woman, fühlt sich als Frau. Ja, ich verstehe es, dass hier die Vernunft aussetzt.
Trotzdem rate ich Frauen, sich niemals darauf einzulassen. Sich blindlings in ein Liebesabenteuer zu stürzten, stellt immer ein grosses Risiko dar. Vor allem in Ländern, die man ehrlicherweise kaum kennt. Grundsätzlich an das Gute im Menschen zu glauben und ohne Vorurteile auf die Leute zu zugehen, ist eine sehr wichtige Tugend, um offen Reisen zu können.

Aber bei Liebesabenteuern hört für mich die Offenheit auf.

Sind platonische Bekanntschaften überhaupt möglich?
Ich frage mich, ob eine Frau in arabischen Ländern überhaupt lockere, freundschaftliche Kontakte schliessen kann, ohne dass mit Hintergedanken gerechnet werden muss? Ich konnte das leider nicht, was mich teilweise sehr enttäuscht hatte. Jeder freundliche Blickkontakt meinerseits wurde bereits als schlüpfrige Aufforderung verstanden. Ich hatte mich weder besonders körperbetont gekleidet noch geschminkt. Aber die westlichen Frauen haben wohl einen gewissen Ruf in arabischen Ländern.

„Lebe im Jetzt und Hier und wenn sich die Gelegenheit bietet, packe sie“?

Natürlich kann man nach diesem Grundsatz leben. Aber ganz so einfach ist es nicht. Teenagern verzeihe ich ein solches Verhalten, aber nicht erwachsenen Frauen, wenn sie sich blindlings in Liebesabenteuer stürzen. In die Wohnung des Angebeteten gehen, dort übernachten, die Familie im abgelegenen Dorf besuchen, alles bezahlen. Bitte nicht.

Bezness – Henne oder Ei?

Westliche Frauen fallen nur zu gern auf die Bezness-Masche rein. Und warum sollten das die Männer  und deren Familien nicht ausnutzen? Wie bekommt man in einem armen Land sonst in so kurzer Zeit so viel Geld her? Ich kann ihnen kein Vorwurf machen!

In Bezness-Foren lese ich immer wieder endloses „Gejammer“ von geprellten Frauen. Ja, was erwartet ihr eigentlich? Ihr, die reiche Prinzessin schreitet durch ein armes 3.-Weltland, wo viele junge Männer keine Perspektive haben. Meint ihr, da gehts noch um Liebe? Wie vermessen. Übernehmt selbst die Verantwortung für euer tun und projiziert nicht eure ganzen Traumprinz-Fantasien in Ferienflirts rein.

Wer ist denn jetzt Schuld?

Es gibt immer 2 Seiten: der Typ, der gerne was vom westlichen Lebensstil abhaben möchte und die Frau, die alle ihre unterdrückten Sehnsüchte in ihn reinprojiziert.  Und die später dem Mann europäische Verhaltensweisen antrainieren will. Nur ist sein Weltbild komplett anders. Es steht uns nicht zu, zu werten. Wenn wir arabische Länder besuchen, sind die Geschlechterrollen zu respektieren, ob es uns gefällt oder nicht. Natürlich möchten wir in feministischer Manier allen Frauen den Tschador oder die Burka vom Leib reissen. Aber das ist nicht unsere Aufgabe.
Lasst den Menschen vor Ort ihre Welten. Habt daran teil, aber versucht sie nicht vor Ort zu beeinflussen und zu verändern. Wir verlangen Respekt vor den Einheimischen. Gebt diesen Respekt zurück. Liebesabenteuer mit Einheimischen sind für mich ein absolutes No-Go. Das Gefälle ist zu gross. Im  Verhältnis sind Schweizerinnen immer reich, und das weckt (verständliche!) Begehrlichkeiten, die für die Einzelperson auch gefährlich werden können.

Gegenseitiges Ausnutzen

Aber die westlichen Frauen nutzten einheimischen Männer genauso aus für ihre Sehnsüchte. Sie können diese niemals erfüllen. So wie wie die Sehnsucht nach dem Westen nicht gestillt werden kann.
Und welches Bild bietet man als westliche Frau, die nach ein paar Tagen gleich mit einem Mann ins Hotelzimmer geht? So kann kein Respekt entstehen!

Offen aber mit gesundem Menschenverstand reisen

Ich wünschte, einige Reisende würden weniger naiv sein. Offenheit ja, aber immer mit genügend Respekt vor der anderen Kultur. Versucht nicht, alles mit „westlichen“ Augen anzusehen. Sondern mit den Augen der Menschen, die in diesem Land zuhause sind. Vergesst nicht, dass wir nur Gäste sind.

Was meint ihr dazu? Sehe ich das alles zu eng und ist es vielleicht gar nicht so? 

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6 Gedanken zu “Heidi aus Ägypten – oder wie ich plötzlich zur begehrten Frau wurde

  1. Ich stimme Dir zu!

    ich hab nur Erfahrungen In Asien gemacht. Aber da wird man als Europäer immer angeschaut, aber eher da man allgemein auffällt. Da sind auch die Geschlechterrollen anders. Aber auch da ist Mann oder Frau der reiche Ausländer! Da weiss ich auch nicht, ob es den anderen dann immer um die Person oder das vermeintlich „reiche“ ging.
    Für einige Länder wie Kenia empfiehlt es sich (So hab ich mal gelesen, aber ich war selbst nie da!) ein Bild von seinem Mann und den Kindern dabei zu haben. Kann ja auch ein Anderer auf dem Bild sein, falls man nicht verheiratet ist oder keine Kinder hat. Als alleinreisende Geschäftsfrau wird man dort wohl auch respektiert. Für alleinreisende Frauen ist es ja nicht in allen Ländern einfach!

    1. Hallo Ecotravelmania, danke für deinen ausführlichen Kommentar. In Ägypten hatte ich sogar meine Eltern dabei, in Marokko meinen Partner. Das hat die Einheimischen Männer aber nicht interessiert. Daher könnte ich mir vorstellen, dass in Kenia der Foto-Trick vielleicht auch nicht überall klappt.

  2. Sehr interessante Gedanken! Unterwegs in fremden Kulturen ist es manchmal gar nicht so einfach. Wer „im Ausland“ dauernd Angst hat, an jeder Ecke „über den Tisch gezogen“ zu werden, tut einerseits den Einheimischen Unrecht und verwehrt sich andererseits das eine oder andere Reiseerlebnis. Auf der anderen Seite: ganz naiv, ohne Information und ohne kritischem Geist unterwegs zu sein endet in Enttäuschungen, mit denen dann Foren gefüllt und Vorurteile genährt werden. „Offen aber mit gesundem Menschenverstand reisen“, wie du schreibst – das ist wohl eine gute Art, mit der Problematik umzugehen.

    1. Hallo Susanne, danke für deinen Comment. Ich muss zugeben, dass ich manchmal ebenfalls hin- und hergerissen bin. Aber dann erinnere ich mich daran, dass ich Gast bin. Keine Weltverbesserin oder Richterin. Und es tut gut, diese „mentalen“ Rollen abzulegen und in ein Land „einzutauchen“.

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