Thunersee

Meine Reise ist nicht deine Reise

Ich schreibe hier einen Artikel für die spannende Blogparade von Florian Blümm von flocbloc

Reiseblogger ist nicht gleich Reisebloggerin…

Entweder man ist der sparfuchsige Backpacker, der sich mit Haut und Haaren auf das Reiseland einlässt. Oder die Luxus-Reisende, die sich den ganzen Tag im Massage-Pavillon am Strand verwöhnen lässt. Und die in endlosen, selbstverliebten Selfie-Posen das neue Kleid bei Sonnenuntergang auf Instagram rumzeigt.

Mein Blog-Lesefutter besteht aus spannenden Erlebnis-Storys: Backpacking, Couchsurfing, Trampen in Reinform. Oder eine gefährliche, aber mutige Reise durch Pakistan und Indien.

Was interessiert mich, welchen gesponserten Schmuck Miss Sexy-Girl in die Kamera hält? Ich will am Leben teilhaben, am Formen der Persönlichkeit, die ein ausgedehntes Reiseabenteuer mitbringt. Unerschrockene, mutige und kernige Menschen faszinieren mich. Und ich bin auch ein bisschen neidisch. Weil ich selbst eine dieser feinen Damen bin…

Abenteuer, ja aber…

Ich liebe Abenteuer – aber ohne die Komfortzone zu verlassen. Ich bin eine Art Joan Wilder aus dem Schatzjägerfilm“Die Jagd nach dem grünen Diamanten“ mit Michael Douglas. Abenteuer sind genau mein Ding – theoretisch.

Im Geiste Backpackerin, aber körperlich Luxusreisende

Ich liebe 5-Sterne Hotels und stehe dazu. Das hübsche Boutique-Design, der Infinity-Pool und das King-Size Bett versetzen mich als bescheidenes Schweizer Mädchen in eine temporäre Traumwelt. Trotzdem erkunde ich tagsüber wie eine Backpackerin die Städte und komme mit Menschen in Kontakt. Gruppenreisen sind ein absolutes No-Go: wer will sich schon Sachen anschauen, auf die er keinen Bock hat? Ich brauche meine Freiheit und plane alles selbst. Ich rufe mir Taxis oder frage nach dem Weg und laufe. Ich besuche Märkte und Tempel, Plantagen und wandere auf Vulkane. Nein, ich stolziere nicht mit dem Gucci-Täschli (hab gar keins) rum oder trage meinen Silberschmuck in armen Ländern. Aber Abends will ich wissen, wo ich schlafen werde.

Florian schreibt auf seinem Blog „Genauso wundern sich die Urlauber über uns und alle zusammen wundern wir uns über den Tramper mit Zelt, der ohne Geld um die Welt reist. Nur der Luxusreisende wundert sich nicht mit uns, der bleibt im Hotel ;)“

Nein, lieber Florian 🙂 Wer sagt denn, dass Genusstraveller nur im Hotel sitzen? Ganz schön heftiges Vorurteil. Ich frage mich, ob es nicht Momente im Backpackerleben gibt, wo man auch mal gemütlich zu einer Sehenswürdigkeit gekarrt werden möchte?

Oder kann man als wahre Entdeckerin nur als Backpacker unterwegs sein? Schliessen sich Entdeckungen und Luxusreisen aus?

Mein Körper will es: Hygiene

Hygiene auf Reisen ist für mich der Grund Nr. 1 warum ich reise wie ich reise.

Ich kann nicht in simplen Hotels schlafen, nicht in Massenlagern und nicht Couchsurfen. Weil es mich paranoid macht. Wegen dem Schmutz und anderen dunklen Gedanken. Ein Hotelzimmer für 20 Dollar in Bangkok? Unvorstellbar. Ich chille lieber auf der Riverside Terrace im Mandarin Oriental und lege mich zum Schlafen ins blütenweisse Bett. Ich bin ein Hygiene-Freak und kann auf keinen Fall darauf verzichten – auch nicht auf Reisen.

Ein Schlüsselerlebnis in Sachen Hygiene erfuhr ich in jungen Jahren auf meiner ersten Reise durch Marokko. Um Geld zu sparen, stieg ich in einem siffigen Hotel ab. Der Boden und das Bett voller Flecken (Blut, Urin, Sperma wer weiss das schon), das Bad schimmlig, bröckelig und moderig. Ich wollte am liebsten nur im Ganzkörperkondom schlafen. Seither habe ich mir geschworen, nur noch 4+ Sterne-Unterkünfte zu buchen. Koste es was es wolle.  Lieber dauert meine Reise nur 2-3 Wochen, aber dafür steige ich in Hotels ab, die bei mir nicht die Kretze und wilde Fantasien auslösen.

Trotzdem interessiere ich mich brennend für das Leben der Einheimischen, ihre Kultur und ihre Gedanken. Die Natur im Reiseland, die Geschichte und Architektur. Das eine schliesst das andere nicht aus.

Gefangen im Planungs-Rad

Ich bin ungeduldig und ein Planungsfreak. Ich plane und tüftle wochenlang an perfekten Reiserouten. Ich will die schönsten Orte sehen. Sonst brauche ich nicht 12 Stunden zu fliegen. Trotzdem geht ab und zu etwas schief.

Besserung naht…

Aber ich bin dran, mich selbst zu therapieren. Künftig werde ich Tage einschalten, ohne vorgebuchte Eintritte, ohne durchgetaktete Zug- und Busverbindungen. Und ich werde lernen müssen, Wartezeiten auszuhalten. Wer weiss, vielleicht passiert genau dann etwas Spannendes?

Vielleicht schaffe ich es irgendwann, meine Komfortzone zu verlassen und mich auf ganz neue Abenteuer einzulassen. Vielleicht eröffnet sich mir eine vollkommen neue Welt? Bis dahin lese ich Blogs wie den von Bruder Leichtfuss und lasse mich inspirieren.

Und bin trotzdem froh, dass ich nicht in seiner Haut stecke.




8 Gedanken zu “Meine Reise ist nicht deine Reise

  1. Sehr spannende Erkenntnisse. Auch bzw. besonders im Zusammenhang mit den Luxus-Reisenden. “Schön” das du dich getroffen gefühlt hast. Nur dadurch kann eine solche Diskussion entstehen.

    Jeder definiert zudem Luxus anders. Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass es ein wenig auf das Alter ankommt. Viele Reisenden beginnen in den jungen Jahren mit dem Backpacking, da es anders gar nicht geht … und später mögen Sie andere Methoden. Jeder nach seinem Gusto 😉 Das habe ich auch in meinem Beitrag – so hoffe ich – rüber gebracht: http://www.madiba.de/blog/blogparade-reise-typen-deine-reise-ist-nicht-meine-reise/

    Jemand der noch nie in Land A war, sollte sich daher unbedingt mehrere Arten (Blogs) durchlesen, um eine/seine individuelle Reise planen zu können!

    LG

    Daniel

    1. Hallo Daniel
      ich habe gemerkt, dass ich zwar Backpacker-Blogs sehr unterhaltsam finde. Aber konkrete Tipps für meine Art zu Reisen sind nicht immer einfach zu recherchieren 🙂
      Schön hast du auch bei der spannenden Blogparade mitgemacht.

  2. Hi swisstravelgirl,

    von Vorurteilen lebt die Welt 😉

    Trotzdem danke für die Korrektur meiner Verallgemeinerung mit dem Luxusreisenden. Es war ja extra ein Smiley dahinter.

    Danke für den reflektierten Text und danke für’s Mitmachen bei der Blogparade.

    1. Hallo Mario
      danke. Bei den Reisebloggern sind Backpacker überproportional vertreten. Find ich klasse, denn sie haben viel zu erzählen. Aber ich reise eben anders 🙂 Gerade deswegen ist es so spannend, diese Blogs zu lesen. Auch deiner 🙂

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